Umfang der Testaktivitäten

Testen ist aufwändig, und scheint zunächst keinen zusätzlichen Nutzen zu bergen. Die Idee ist nicht, dass man zusätzlichen Ertrag erzeugt, sondern Schaden im Vorfeld vermeiden kann.
Doch wie viel Aufwand soll ins Testing investiert werden?
Diese Frage kann nur das Produktteam in seiner Gänze beantworten.
Eine pauschale Antwort lässt sich auf diese Frage nicht geben.
Der Umfang der Software-Tests hängt davon ab, wie viel Zeit investiert werden kann – auf der einen Seite – und auf der anderen Seite, wie hoch der Schaden ist, wenn sich im ungetesteten Teil Fehler finden. Einer Raumsonde, die Sie auf die Reise zum Mars schicken, können Sie schlechter ein Software-Update einspielen als dem Web-Shop, den Sie auf der eigenen Homepage verwenden…
Als Software-Tester / Test-Manager habe ich mir über die Jahre angewöhnt zu behaupten, dass nur Code, der durch dedizierte Test-Team-Mitglieder überprüft (und abgenickt!) wurde, als funktionierend anzusehen.
Im Umkehrschluss heißt das: Alles, was ein Tester sich nicht angeschaut hat, ist als defekt anzusehen!
Das mag im ersten Moment hart und zynisch klingen, rettet aber vor unangenehmen Überraschungen…
Insofern empfehle ich, dass der komplette Produktumfang zumindest einmal stichpunktartig geprüft werden sollte.
Je näher der Programmteil mit solchen Teilen verknüpft ist, die einer geplanten Änderung unterlagen, desto größer ist die Chance, dass sich hier Fehler ergeben. Und, je mehr Fehler sich in einem Bereich finden, desto „lohnender“ ist es, sich diesen Bereich näher anzuschauen.
Auf der einen Seite haben wir also nun die Bereiche identifiziert, die besonders wichtig zu testen sind. Wenn Sie, auf der anderen Seite, ein Produkt erweitern, gibt es sicherlich gibt es auch in Ihrer Software Programmteile, die schon seit Jahren unverändert gut laufen. Bei diesen Programmteilen kann man sich erlauben, die Tests in geringerer Intensität durchzuführen.
In meiner Rolle als Test-Managers besteht die Aufgabe auch darin, in der zur Verfügung stehenden Zeit die optimale Testabdeckung anzustreben. Daher werde ich mich hier immer wieder, gerade zu Anfang des Projekts, intensiv mit dem Entwicklungs-Leiter und dem Projekt-Manager beraten, wieviel Zeit für welche Test-Aktivitäten investiert werden kann, und wo diese Zeit am sinnvollsten investiert ist.
Auch das ist ein Prozess, der erlernt werden will.
Und wenn das Team sich zuviel vornimmt?
Dem Produkt-Verantwortlichen obliegt es dann ggf., einen Liefertermin anzupassen, den Projektumfang zu reduzieren oder mit einem (potentiell) fehlerbehafteten Produkt zu leben.
Um es nicht so weit kommen zu lassen, sollte die Entwicklung die Software-Qualitätssicherung, das Testing als Teil der notwendigen Arbeit akzeptieren.

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